Online-Gottesdienste gut vorbereiten - Sonntagmorgens
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Online-Gottesdienste gut vorbereiten

Mache dir die besonderen Rahmenbedingungen bewusst
    Quelle: Foto von Dylan Ferreira auf Unsplash.com.

    Corona hat Digitalisierung vorangetrieben – auch in den Kirchengemeinden.

    Seit wir mit Covid-19 leben, habe ich diverse Online-Gottesdienste besucht. Manche davon waren sehr professionell gestaltet, von Gemeinden, die bereits seit Jahren Online-Programme anbieten. Andere waren einfach gehalten und trotzdem sehenswert, weil den Gottesdienstgestaltenden klar war, welche besonderen Rahmenbedingungen gelten. Trotz – oder gerade wegen der simplen Gestaltung – haben sie mich begeistert.

    Und dann gab es Online-Veranstaltungen, bei denen es mir schwerfiel, bis zum Ende zu bleiben. Bei ihnen kam ich mir verloren vor, weil z.B. eine Moderation fehlte, die Technik nicht funktionierte, niemand weiterwusste oder die Ton- bzw. Bildqualität schlecht gewesen sind. Dabei konnten, die oft dennoch sehr gut durchdachten, Inhalte nicht zur Geltung gekommen. Das ist schade!

    Egal ob du für die Musik, die Technik, die Predigt oder die Moderation im Gottesdienst verantwortlich bist, folgende Punkte solltest du bei der Gestaltung eines Online-Gottesdienstes im Hinterkopf behalten.

    Anmerkung: In diesem Beitrag geht es um reine digitale Angebote und keine Hybridveranstaltungen, für die sich die Rahmenbedingungen unterscheiden.

    Technische Pannen sind üblich

    Nicht jeder ist ein Zoom-Nerd oder ein Digital Native und beherrscht die komplette Technik aus dem Effeff. Deshalb gehört ein technischer Support bei Online-Veranstaltungen einfach dazu. Wichtig ist, am Anfang der Veranstaltung mitzuteilen, an wen man sich bei einem Problem z.B. via Chat wenden kann. Bestimmt also vorab eine Person, die sich gut mit der Software auskennt und helfen kann.

    Falls dann während der Veranstaltung ein Problem auftaucht, weiß jeder genau, wer anzusprechen ist und die Person ist sofort einsatzbereit. So müssen sich nicht alle Teilnehmenden Gedanken machen, es wird Zeit gespart und alle fühlen sich gut aufgehoben, falls mal etwas schiefgeht.

    Dazu kann es hilfreich sein, technische Unterstützung bereits im Vorfeld der Veranstaltung anzubieten. Ich habe gute Erfahrung damit gemacht, mir vorher für Menschen Zeit zu nehmen, die hier und da Probleme mit der Videoübertragung haben, mit dem Ton oder zum ersten Mal an einer Online-Konferenz teilnehmen. Bietet Termine für solche Support-Einheiten an.

    Alternativ könnt ihr Unterstützung anbieten, indem ihr in der Einladung darum bittet, sich bereits 15 Minuten vor Veranstaltungsbeginn einzuloggen und die Technik zu checken und evtl. Probleme zu beheben.

    Wichtig ist: macht euch selbst vertraut mit den Programmen, die ihr nutzt. Nichts wirkt unprofessioneller, als wenn die Veranstaltenden selbst die größten technischen Probleme haben. Für vieles gibt es Video-Anleitungen, die ihr euch bei Bedarf anschauen könnt oder fragt in der Gemeinde nach, wer sich bereits gut mit den Programmen auskennt und euch helfen kann, einen Einstieg zu finden.

    Ablenkungen gehören dazu

    Wer einen Gottesdienst in seiner Gemeinde besucht, ist in einer Kirche oder einem Saal gemeinsam mit anderen. Das Vor-Ort-Sein stimmt bereits auf die besondere Situation ein. Bei einem Online-Gottesdienst ist das anders. Alle Teilnehmende befinden sich an einem anderen Platz, wahrscheinlich Zuhause – vor dem Laptop, dem Fernseher oder am Smartphone bzw. Tablett.

    Ablenkungen sind vorprogrammiert

    Eine WhatsApp kommt rein oder ein Anruf auf dem Telefon, mit dem der Gottesdienst geschaut wird. Es landet eine E-Mail im Posteingang, Kinder bzw. der/die Partner:in kommen ins Zimmer oder jemand klingelt an der Tür.

    Es ist immer damit zu rechnen, dass die Zuschauer:innen abgelenkt werden. Manche schauen den Gottesdienst als Familie gemeinsam beim Frühstück oder mit Freund:innen im Wohnzimmer. Diese Ablenkungen lassen sich nicht komplett vermeiden.

    Es hilft jedoch, die Teilnehmenden bereits in der E-Mail, mit der der Link verschickt wird, darauf hinzuweisen, z.B. das Telefon in dieser Zeit stumm zu schalten oder Benachrichtigungen zu deaktivieren und zu prüfen, dass alle anderen Anwendungen geschlossen sind, die auf das Internet oder den Arbeitsspeicher zugreifen. Diese Anweisungen können zu Beginn der Veranstaltung kurz mündlich erwähnt werden.

    Ansonsten heißt es entspannt bleiben

    Der Vorteil von Online-Veranstaltungen ist ja gerade, dass sie bequem von Zuhause aus geschaut werden können. Alle, die bewusst den Link anklicken, haben sich auf diese Zeit eingestellt und wollen das Programm erleben. Es gibt online viele verschiedene Möglichkeiten, einen einladenden Einstieg in das Programm zu gestalten. Je spannender das Event ist, desto weniger haben Ablenkungen die Macht, dazwischenzufunken.

    Noch ein kleiner Extratipp

    Achtet auf den Hintergrund, vor dem ihr steht oder sitzt. Für die Zuschauenden kann es bereits Ablenkung genug sein, die Büchertitel im Regal zu entziffern oder das Chaos zu betrachten. Entscheidet bewusst, welchen Einblick ihr in euer Leben geben wollt und wählt den Ort der Präsentation geschickt aus.

    Viele Programme erlauben zudem, den Hintergrund auszublenden oder ein spezielles Bild als Hintergrund auszuwählen. Testet diese Einstellung bitte vor der Veranstaltung.

    Geringere Aufmerksamkeitsspanne

    Nicht nur Ablenkungen beeinträchtigen die Aufmerksamkeit. Wir alle wissen, wie anstrengend es sein kann, lange und ohne Unterbrechung auf einen Bildschirm zu schauen. Je monotoner das Programm, desto anstrengender wird es. Einige werden dies bereits von regulären Gottesdiensten oder Veranstaltungen kennen – für Online-Events gilt das umso mehr.

    Kurze Beiträge und ein abwechslungsreiches Programm mit einer guten Moderation halten die Aufmerksamkeit hoch. Idealerweise werden interaktive Elemente eingebaut, um den Teilnehmenden eine lebendige Veranstaltung zu ermöglichen.

    Üblich sind Online-Veranstaltungen von etwa 60 bis maximal 90 Minuten. Die Würze liegt hier in der Kürze. Zudem hilft die Untermalung mit Bildern, Musik- oder Videobeiträgen, die Zuschauer:innen bei der Stange zu halten. So können neue Reize für die Augen gesetzt werden.

    Schaut bitte in die Kamera!

    Wer auf der Bühne steht, ist es gewohnt, ins Publikum zu schauen. Die spontanen Reaktionen der Gäste erleichtern uns unseren Auftritt. Online sollten wir aber dies gerade nicht tun. Denn wenn wir uns die Gäste anschauen, liegt unser Blick meist leicht unter der Kamera. Damit fühlen sich die Zuschauer:innen nicht mehr direkt angesprochen. Sie brauchen den Augenkontakt.

    Das kann euch helfen

    Sprecht im Stehen und habt etwas Abstand zum Bildschirm. So fällt es euch leichter, in die Kamera zu sehen und gleichzeitig einen Blick auf das Publikum zu werfen.

    Üben, üben, üben

    Übt es zu Hause, mit Freund:innen online zu sprechen oder zu präsentieren und holt euch Feedback ein. Zoom und andre Videokonferenztools erlauben es euch außerdem, euch selbst aufzunehmen. Dazu benötigt ihr nicht einmal Gäste. Wenn ihr euch selbst anschaut, werdet ihr schnell Verbesserungspotenzial erkennen und zudem feststellen, ob die Ton- und Bildqualität passen. Seid hierbei nicht zu kritisch mit euch selbst.

    Das Programm nicht überladen

    Versucht nicht alles in die Onlineveranstaltung zu pressen, was ihr im regulären Gottesdienst platziert. Sich zwanghaft an eine bestehende Liturgie oder einen Ablauf zu halten, weil er aus dem Alltag gewohnt ist, passt nicht immer zu diesem speziellen Format. Überlegt euch im Vorfeld, welche Elemente ihr übernehmen wollt und wie ihr sie anpasst. Gibt es vielleicht auch Dinge, die ihr neu ausprobieren möchtet? Dafür könnt ihr andere Sachen weglassen, die vor Ort besser funktionieren.

    Inspiration suchen

    Der Online-Gottesdienst ist nicht einfach ein billiger Ersatz für den Gottesdienst im Saal. Er kann vielfältige neue Möglichkeiten eröffnen und ein für sich stehendes, besonderes Event sein – nicht nur ein notwendiges Übel.

    Schaut euch selbst Aufzeichnungen von anderen Online-Gottesdiensten an und lasst euch inspirieren. Prüft, was euch gefällt oder was andere nicht so gut machen. Es ist noch nie so leicht gewesen, in andere Gemeinden hineinzuschnuppern. Wir können viel voneinander lernen.

    Begrenzte Sinne – begrenztes Erlebnis

    Ich liebe es, in den Gottesdienstsaal zu kommen. Es riecht besonders, wenn z.B. Kerzen angezündet sind. Das Licht ist einladend, manchmal durch die bunten Glasfenster oder die besondere Beleuchtung. Dazu kommen die vielen bekannten Geräusche, das große Kreuz an der Front und die lächelnden Gesichter der anderen. All dies trägt zu Gefühlen bei, die aus dem Gottesdienst einen besonderen Moment machen. Es fühlt sich ähnlich an, wie nach Hause zu kommen.

    Nichts kann – und sollte – diesen Moment online nachahmen.

    Doch wir können verschiedene Elemente nutzen, den Online-Gottesdienst einladend zu gestalten und alle Sinne anzusprechen. Bittet die Besuchenden selbst Kerzen anzuzünden. Lasst zum Einstieg in den Gottesdienst ein besonderes Intro oder ein Musikstück laufen. Ermöglicht Zeiten der Begegnungen in Break-Out-Rooms. Das ist eine Funktion in Videokonferenz-Tools, die Teilnehmende in verschiedene, kleinere Gruppen einteilt, damit sie sich austauschen können

    Besonders schön finde ich es, wenn vor dem Gottesdienst Post von meiner Kirchengemeinde in meinem Briefkasten ist. Das war schon mal ein kleines Holzkreuz, das ich aufstellen konnte, ein Stück Brot für ein gemeinsames Abendmahl, ein aromatischer Tee oder eine Kerze. Seid kreativ, wenn es darum geht, auch bei einer Online-Veranstaltung alle Sinne anzusprechen.

    Führt durch das Programm

    Mein letzter Hinweis mag sogar mit der wichtigste sein: Führt bitte aktiv durch das Programm! Wenn wir im Saal sitzen, sehen wir, dass sich das Musikteam auf den Weg zur Bühne macht. Wir merken, wenn die/der Pastor:in vorhat, etwas zu sagen. Im Saal sehen wir, wenn die Bühne verlassen wird und die Personen anfangen miteinander zu reden. Der Gottesdienst ist dann offensichtlich zu Ende. Hier muss nicht alles moderiert werden.

    Online ist das anders!

    Manchmal dauert es ein paar Sekunden, bis das Video eingespielt werden kann oder jemand eine Präsentation geteilt hat. Bei einem Online-Gottesdienst, den ich selbst besuchte, war mir am Ende nicht klar, dass die Veranstaltung zu Ende ist und alle gehen können. Ich blickte in viele Gesichter, die genauso ratlos waren. Ein offizielles Schlusswort fehlte.

    Bei jedem Online-Event ist die Moderation entscheidend – vom Einstieg bis zum Abschluss. Es muss nicht immer eine zusätzliche Person moderieren. Manchmal reicht es, wenn zum Ende eines Programmpunktes auf den nächsten verwiesen wird. Benennt immer, was ihr tut, falls Pausen entstehen. Geht nicht automatisch davon aus, dass jeder weiß, wie der reguläre Ablauf eures Gottesdienstes ist und was als nächstes passiert. Das reduziert Unsicherheiten und verbessert das Erlebnis.

    Fazit

    Online-Gottesdienste bieten vielfältige Möglichkeiten. Durch sie können wir ein breiteres und anderes Publikum erreichen und begeistern. Dafür ist es wichtig, die besonderen Rahmenbedingungen zu kennen und zu beachten. Eine gute Planung ist hier also das A und O.

    Deine Erfahrungen

    Welche guten oder schlechten Erfahrungen hast du mit Online-Gottesdiensten gemacht? Gibt es Gottesdienste, die dir online besonders gut gefallen haben? Poste deine Erfahrungen oder Links gerne in die Kommentare.


    Foto Kristina Dietz
    Kristina Dietz
    gehört zu den Initiator:innen von sonntagmorgens.de. Sie ist Expertin für digitale Transformation und Online-Marketing, arbeitet als Projektmanagerin und liebt das kreative Arbeiten. Neben ihrem Einsatz im sonntagmorgens-Team engagiert sie sich ehrenamtlich in der evangelischen Gemeinde Stadtmission Frankfurt-Nied und beim Schwarzen Kreuz Christliche Straffälligenhilfe e.V.

    Veröffentlicht: 27. Juli 2022

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