Kunst

Von der Idee zur Premiere

Eigene Theaterstücke entwickeln und umsetzen
Das hässliche Entlein
Quelle: Foto von Raphael Schaller von Unsplash

Ein eigenes Theaterstück für den Gottesdienst zu entwerfen, kann eine große Bereicherung für deine Gemeinde sein. Wie du von der ersten Idee zu einer erfolgreichen Premiere gelangen kannst, erklärt Ruben Turbanisch.

Die Grundidee – Das hässliche Entlein

Das Thema „Wo finde ich gute Ideen?“ kann leider nicht befriedigend beantwortet werden. Entweder die Idee, der zündende Moment, der Funke, die Eingebung ist da, oder eben nicht. Klar ist: Fange niemals ohne Idee an, ein Theaterstück zu schreiben oder zu inszenieren.

Manche Menschen denken, dass, wenn sie erst einmal angefangen haben zu schreiben, sie im Laufe des Schreibprozesses schon auf eine Idee kommen. Falsch! Es hat keinen Sinn, sich in eine Szene mit zwei Figuren zu stürzen – und sei der Dialog noch so spritzig – wenn du nicht die geringste Ahnung hast, was als nächstes passieren könnte. Das ist als Schreibübung vielleicht ganz interessant, doch völlig ungeeignet, um jemals ein abendfüllendes Stück zusammenzukriegen.

Wenn dir die grundsätzliche Inspiration fehlt, lege den Bleistift weg, stell den Federhalter zurück ins Glas, schalte den Computer aus und gehe stattdessen den Garten umgraben.

Der springende Punkt bei diesem Teil des Prozesses ist, dass man die Idee erkennt, wenn sie denn mal da ist. Häufig kommen Ideen nicht in ihrer endgültigen Gestalt – siehe hier bin ich, ein fertiges abendfüllendes Theaterstück, komplett mit Pause nach dem ersten Akt. Im Gegenteil, sie kommen als unansehnliche, nicht zusammenpassende Splitter, denen man kaum ansieht, was eigentlich in ihnen steckt.

Das Stück schreiben

Die Konstruktion

Vorbereitung ist lebenswichtig für jede Stückentwicklung. Ein:e Dramatiker:in muss gewisse Grundsatzentscheidungen treffen. Manchmal liegen die Lösungen von vornherein auf der Hand, in anderen Fällen bedarf es sorgfältiger Überlegung.

Folgende Fragen sind zu stellen: Wie, wann, wo, und mit wem willst du die Geschichte erzählen? Mit anderen Worten:

  • Erzählweise: Historisch, Dramatisch, Komödiantisch etc.
  • Zeit: Die Wahl der Zeit beeinflusst den Standpunkt der Zuschauer:innen
  • Schauplatz: Leere Bühne, wechselnde Orte, Garten, Küche etc.
  • Figuren: Benutze so wenige Charaktere wie möglich. Die Zuschauer:innen müssen Anteil an den Figuren nehmen können.

Diese Entscheidungen werden in keiner vorgegebenen Reihenfolge getroffen und überschneiden sich teilweise.

Figurendiagramm

Quelle: Mc Kee, Robert: STRORY. DIE PRINZIPIEN DES DREHBUCHSCHREIBENS. Alexanderverlag Berlin, Berlin 2014. S. 408.

Heldenreise

Leiterschaft – Der Moment, der das Spiel verändert

Fertiges Konzept oder Chaos?

Wie in jeder Leiterschaft gibt es auch unter den Regisseur:innen verschiedene Leitungsstile. Manche kommen mit einem komplett fertigen Konzept in die ersten Proben. Die Schauspieler:innen sind nur noch „Ton in der Hand des Meisters“, um seinen Ideen Ausdruck zu verleihen.

Andere Regisseur:innen verstehen den Probenprozess als eine Art “Der Weg ist das Ziel“. Alle Szenen werden gemeinsam besprochen, erarbeitet und erprobt. Beides findet meiner Meinung nach seine Berechtigung zu seiner Zeit.

Für mich persönlich ist, wie in vielen Fällen, der Mittelweg die gangbarste Reiseroute. Schauspielführung erzeugt einen Zustand der kreativen Schöpfungskraft des ganzen Ensembles. Ich will, dass mein Ensemble mitdenkt und sich fähig fühlt kreative Gedanken mit einzubringen. Das benötigt Disziplin im Arbeitsprozess.

Trotzdem sollten Regisseur:innen das Ziel kennen. Zum gegebenen Zeitpunkt entscheidt die Regie über den Weg, den das Team geht.

Proben – Wie ein Profi

1. Konzeptionsprobe

Die Konzeptionsprobe ist streng genommen noch keine echte Probe. Alle Akteur:innen werden der Produktion vorgestellt. Das Team sieht das Bühnenbild. Alle erhalten von der Regie eine Idee davon, in welche Richtung das Theaterstück laufen soll. Es geht darum das gesamte Team zu gewinnen und zu motivieren.

2. Leseprobe

Die Leseprobe kann noch am gleichen Tag der Konzeptionsprobe angehängt werden.

Die Leseprobe dient dazu, das Stück das erste Mal zu hören. Bisher wurde das Stück nur gelesen (und vielleicht schon auswendig gelernt). Jetzt kommt eine andere Dynamik hinzu. Man hört den Gegenpart. Zugleich kann die Regie aber schon mitteilen, welche Streichungen im Text vorgenommen werden.

3. Tischprobe

Bei der Tischprobe wird diskutiert, was das Zeug hält. Diese Probe kann ein bis mehrere Tage dauern. Je nachdem welche Bedürfnisse im Ensemble entstehen. Hier klären wir jede Szene. Wir diskutieren über Motive der Handlung, Beziehungen und definieren die Figur. Hier dürfen Fragen gestellt und Antworten gegeben werden.

4. Szenenprobe

Proben ist eine beständige Suche nach Lösungen von immer wieder neu auftretenden Problemen. In diese Abschnitt gehen wir auf die Bühne (oder in den Probenraum) und probieren verschiedene Varianten der Szenen aus. Hier wird getestet, experimentiert, verworfen, neu überlegt, verzweifelt gestritten und gefeiert. Hier kommt es noch nicht auf jede Kleinigkeit an.

5. Endproben (Durchlaufproben)

Jetzt spielen wir von Anfang bis zum Ende das Stück durch und achten mehr und mehr auf Kleinigkeiten und Ungereimtheiten. Du kannst auch schon immer mal in den Szenenproben einen Durchlauf machen, hier konzentrieren wir uns aber auf die Feinheiten.

6. Technische Probe

In der technischen Probe trainieren die Schauspieler:innen die Gänge und Handlungen auf der endgültigen Bühne. Neue Dimensionen und Distanzen machen das Timing neu. Hier werden nun auch Türen, Vorhänge, das An- und Umziehen und eben viele kleine technische Probleme gelöst.

7. Lichtproben

Regie und die Mitarbeitenden der Lichttechnik setzen sich zusammen und erproben die verschiedenen Einstellungen des Lichts – von der Einlassstimmung bis zur Entlassung des Publikums.

8. Hauptproben

Jetzt wird das Stück ohne große Unterbrechung gespielt. Alle Akteur:innen sind anwesend. Danach gibt es eine Feedbackrunde (z.B. Maske: Was muss angepasst werden?)

9. Generalprobe

Ein kompletter Durchlauf mit allen Details. Man sagt, wenn die Generalprobe schlecht läuft, wird die Premiere Weltklasse.

Premiere

Die Premiere ist das besondere Highlight. An diesen Tag erinnern sich alle Beteiligten. Oft werden kleine Geschenke verteilt, man wünscht sich viel Glück und nach dem Stück wird – noch bevor alle ihre Kostüme ausgezogen haben – miteinander angestoßen und gefeiert.

Ressigeur:innen verkneifen sich an diesem Tag bitte jedes negative Feedback. 🙂

Learnings

Um von einer Idee bis zur Premiere der Aufführung zu gelangen, benötigt es einige Schritte. Wichtig ist zu wissen, dass die Idee nicht einfach so beim Schreiben kommt. Fange erst mit dem Stückentwurf an, wenn du eine viel versprechende Idee gefunden hast.

Die Zusammenarbeit mit den Schauspieler:innen kann bereits beginnen, wenn das Stück noch nicht zu hundert Prozent fertig ist und kann gemeinsam entstehen. Wichtig ist jedoch, dass Regisseur:innen bereits zuvor ein klares Ziel im Kopf haben.

Steht das Stück, ist eine gute Herangehensweise bei den Proben zu empfehlen. Von der Konzeption bis zur Generalprobe ist es ein gewisser Weg, der aber durchaus gut beschritten werden kann.

Auf diese Weise steht einer erfolgreichen Premiere nichts im Weg!

Hast du bereits ein Stück geschrieben und aufgeführt?

Teile gerne in den Kommentaren mit, was dir geholfen hat. Hast du einen Tipp, wie gute Ideen entstehen können? Wir freuen uns, deine Empfehlungen zu lesen!


Foto Ruben Turbanisch
Ruben Turbanisch
Ruben Turbanisch ist als Pastor der jungen Generation in der EFG Darmstadt tätig. Er ist mit Leidenschaft Botschafter und er hilft anderen, selbst gute Botschafter:innen zu werden. Seine Wurzeln hat er im Theater und Schauspiel. Er ist Mentor, Berater und Trainer. Mehr über Ruben erfährst du auf seiner Website.

Veröffentlicht: 28. September 2021

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