Musik

Eine Songwriting-Kultur in der Gemeinde entwickeln

Selbstgeschriebene Lieder verleihen dem Gottesdienst eine persönliche Dimension
Zwei Gitarristen
Quelle: Foto von Edward Eyer auf Unsplash.

Der Lobpreis in der Kirche ist ein Ausdruck der eigenen Beziehung zu Gott und gleichzeitig eine gemeinsame verbindende Erfahrung als Gruppe. Selbstgeschriebene Lieder können dem Lobpreis eine zusätzliche persönliche Dimension verleihen. Wie kann Songwriting in der Gemeinde gefördert werden? Wie können Qualitätskriterien und gesunde Feedbackkultur entwickelt werden? Darauf geht Mitch Schlüter ein.

Was bedeutet eigentlich „Songwriting-Kultur“?

Eine Kultur geht in Fleisch und Blut über. Stell dir die Frage: Was würde es praktisch bedeuten, wenn ich in meiner Gemeinde eine „Fußball-Kultur“ entwickeln möchte?

Von der Gemeinde für die Gemeinde

Lieder, die in der Gemeinde entstehen, sind zuallererst für die eigene Gemeinde und das eigene Umfeld zu sehen. Sie sind ein Teil der eigenen Spiritualität und können ein seelsorgerlicher Weg sein. Diese Lieder finden Platz im Hauskreis oder in der Jugend, sie dienen als Zeugnis und können im Gottesdienst gesungen werden. Manchmal geht es darüber hinaus.

Das Heilige suchen

„Ein weiterer Aspekt der postmodernen Geisteshaltung ist, dass sie nachhaltig vom „Markt“ geprägt ist. In einer vom Markt beherrschten Gesellschaft wie der heutigen hat nichts mehr in sich einen Wert, sondern nur noch einen Marktwert. Die allererste und oft einzige Sorge der Markt-Mentalität kreist um die Fragen: ‚Verkauft sich das? Bringt das etwas ein? Sind wir stärker als die Konkurrenz?‘ […] Wenn wir den eigentlichen Sinn für den Wert verlieren, den etwas hat, geht uns jegliche Hoffnung darauf verloren, noch echte Werte zu finden, geschweige denn das Heilige.“

Das ist ein Zitat von Richard Rohr aus „Hoffnung und Achtsamkeit – Spirituell leben in unserer Zeit“

Orte und Gelegenheiten schaffen

Songwriting passiert nicht automatisch, sondern braucht feste Zeiten und hilfreiche Gelegenheiten. Nur sehr wenige Menschen werden plötzlich „von der Muse geküsst“. In der Regel entstehen Lieder durch Inspiration, Zuhören, Fleiß, Neugierde, Lernen, Können und Arbeit.

Mögliche Fragen, um herauszufinden, ob ein Lied im Gottesdienst singbar ist

  • Ist der Text wahr? Ist der Text theologisch vertretbar?
  • Deckt sich der Inhalt mit meinem Leben, Glauben, Denken und Fühlen? (Authentizität)
  • Ist der Text in aktueller und lebendiger Sprache? Hat jedes Wort eine allgemein verständliche Bedeutung?
  • Sind Klischees enthalten, die man anders ausdrücken kann?
  • Ist das Lied in unserer Gemeinde gut singbar?
    (Praktischer Test: Lied mit mehreren Leuten singen)
  • Ist die Struktur klar und wurde sie konsequent eingehalten? (Liedaufbau, Versmaß, Melodie, …) Tipp: Noten aufschreiben
  • Ist das Lied fertig? Oder sollte es noch überarbeitet werden?
  • Ist das Lied schön?

Eine Frage wird auch oft angewandt, ist für mich aber nicht unbedingt hilfreich: Ist das Lied für jeden gleich verständlich und inhaltlich eindeutig?

Learnings

Mit selbst geschriebenen Liedern kann eine Gemeinde eine neue persönliche Dimension schaffen. Entwickelt eine Songwriting-Kultur und schafft Raum für die entstandenen Lieder.

Dieser Text ist aus einem Workshop von Mitch Schlüter auf der TechArts 2017 entstanden.

Mehr von Mitch

Hier kannst du dir Lieder von Mitch auf Youtube anschauen:

Bist du bereits ein:e Songwriter:in?

Hast du schon selbst Kirchenlieder geschrieben? Wie ging es dir damit? Hast du weitere Tipps für andere, dann schreibe sie gerne in die Kommentare.


Foto Mitch Schlüter
Mitch Schlüter
ist Musiker und Songwriter. Er schreibt Kirchenlieder uns spielt sie auch. Mehr über ihn erfahrt ihr auf seiner Website.

Veröffentlicht: 16. September 2021

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